Die nachfolgenden Texte stammen aus dem Kommunalwahlprogramm 2004. Ein aktuelles Konzept wird bis Frühjahr 2011 erarbeitet.
Nichtsdestoweniger legen wir eine Lektüre ans Herz.
Die Heidelberger Verkehrspolitik zeichnet sich momentan durch das Fehlen eines schlüssigen Gesamtkonzeptes aus: Wenn einzelne Probleme ohne Überschau angegangen werden, so führt diese Vorgehensweise zwangsläufig zu einer Flickschusterei. Eine der gegenwärtigen verkehrspolitischen Hauptmaßnahmen besteht in der Behinderung einzelner Gruppen von Verkehrsteilnehmern zugunsten anderer. Die Idee der Partnerschaft im Verkehr wird dadurch systematisch untergraben.
Die Ausgaben der Stadt Heidelberg für Verkehrs- und Bauangelegenheiten sind mit einer Summe von derzeit über 30 Millionen Euro pro Jahr groß genug, um vernünftig zu agieren. In dieser Summe sind noch nicht einmal die Kosten für die Verwaltung enthalten.
Heidelberg bietet durch seine Tallage, die Teilung durch den Neckar und seine alte Dorfstruktur ohne Ringverkehr eine besondere Verkehrssituation, die sich durch viele Engpässe und Nadelöhre auszeichnet: Die Erfahrung zeigt für alle Verkehrsteilnehmer eine derzeit unzumutbare Lage: Lange Wartezeiten für alle (nicht nur in den Stoßzeiten), Behinderungen für Autofahrer, Gefahren für Fahrradfahrer und zu umständliche und langwierige Verkehrsverbindungen für Fußgänger beziehungsweise Leute, die auf Bus und Bahn angewiesen sind.
In Zeiten knapper werdender Finanzmittel wird es höchste Zeit endlich mutig auf unfinanzierbare und ökologisch widersinnige Bauprojekte, wie z.B. die große Burelli-Tunnel-Lösung, Neckarquerung und Neckarufertunnel, zu verzichten.
ödp-Konzept
Neben einer Vereinfachung des Autoverkehrs muß der öffentliche Nahverkehr so ausgebaut werden, daß er damit möglichst vielen Autofahrern eine attraktive Alternative bietet. Auch den vielen Fahrradfahrern müssen sichere Wege sowie geschützte Abstellplätze zur Verfügung stehen. Fußgänger müssen einen ausreichenden Schutz vor Fahrzeugen genießen. Auf diese Weise werden Verkehrsteilnehmer wieder rücksichtsvolle Partner, denn jeder sieht für sich die optimale Lösung verwirklicht.
Individueller Nahverkehr und Verkehrsberuhigung
Die ödp steht in erster Linie für den fließenden Verkehr. Wir lehnen Barrieren und Geschwindigkeitshindernisse ab. Autofahrer sollen durch einen attraktiven Nahverkehr zum freiwilligen Verzicht auf das Auto angeregt und nicht dazu gezwungen werden. Schon so wird sich in Heidelberg ein weiterer Ausbau des bereits über 440 km langen, ohnehin sehr dichten Autostraßennetzes erübrigen.
Verkehrskreisel statt Ampeln halten den Verkehr im Fluss. Sie haben sich in vielen anderen Städten und Ländern schon vielfach bewährt. In Heidelberg könnte der erste in Rohrbach Süd, im Bereich Haberstraße und Karlsruherstraße ohne bauliche Veränderung bereits jetzt eingeführt werden. Wo Ampeln unvermeidbar scheinen, sollte die "grüne Welle" wieder in Heidelberg Einzug halten: Längere Strecken müssen soweit als möglich ohne Halt durchgefahren werden können. Ein resultierender Abbau von Staus entlastet die Luft besonders in der Stadt.
Auch eine Verteilung der Verkehrsspitzen hilft vermeiden, dass der Verkehr geradezu regelmäßig zusammenbricht. So lässt sich zum Beispiel durch entsprechende Regelungen die doppelte Belastung von Hauptverkehrsachsen durch zeitliche Trennung von Berufs- und Lieferverkehr mildern.
Eine sinnvolle Vereinigung des öffentlichen mit dem individuellen Nahverkehr ist die direkte Verbindung von Stadtteilen durch Kleinbusse ohne Zwischenhalt. Der Verzicht auf das eigene Auto wird damit gefördert und die Interessen der Verkehrsteilnehmer in hohem Maße gewahrt. Mit uns soll die Stadt Autogemeinschaften wie "Car-Sharing" aktiv unterstützen und fördern, z. B. durch die Ausweisung von reservierten Stellplätzen usw. Das Park-And-Ride-Angebot an größeren Haltestellen des Verkehrsbundes soll weiter ausgebaut werden: Denn Heidelberg hat allein über 50.000 Berufspendler.
Fahrradverkehr
Heidelberg bietet beste Voraussetzungen, eine ideale Radfahrerstadt zu sein. Kurze Wege und seine Altstadt bilden hierzu einen optimalen Rahmen. Es fehlt dagegen ein durchgehendes Radwegenetz, das weder den Autoverkehr stark behindert, noch die Radfahrer durch Autos an kritischen Stellen dauernd gefährdet.
Bisher gebaute Radwege sind häufig eher schlecht als recht: Ein weißer auf die Autostraße gemalter Strich, der einen viel zu schmalen Streifen für Fahrradfahrer abgrenzt, bietet diesen weiter nichts als Gefahren.
All dies muss künftig deutlich besser werden. Überdachte und diebstahlsichere Fahrradabstellplätze, wie sie mittlerweile am Hauptbahnhof und am Tiergarten-Schwimmbad aufgestellt sind, sollten an allen vielfrequentierten Haltestellen und Plätzen installiert werden. Dabei ist nach einer ästhetischen Variante Ausschau zu halten. Neben der Benutzung zur Jahresmiete sollte stets die Möglichkeit einer einmaligen Nutzung wie bei einem Schließfach möglich sein.
Die ödp begrüßt die Eigeninitiative der Internationalen Gesamtschule Heidelberg, die mit der Werkstatt „ReCycles“ einen sehr interessanten ehrenamtlichen Dienst anbieten wollen. Das frühere Projekt „Heidelradel“, ein lang gehegter Wunsch der ödp, könnte auf diese Weise noch einmal wieder belebt werden. Es sollte dazu dienen, dass man in Heidelberg über die Stadt verteilt Leihfahrräder zur Verfügung stellt, die kostenlos von Passanten benutzt werden können, um dann am Ziel innerhalb des Stadtgebiets wieder abgegeben zu werden.
Öffentlicher Nahverkehr
Straßenbahnen und Busse müssen gegenüber dem eigenen Auto an Attraktivität gewinnen. Die Stadt muß hier koordinierend aktiv werden und kann durch gezielte Befragungen von Verkehrsteilnehmern aller Art Voraussetzungen schaffen, um ein bedarfsorientiertes Angebot zu ermöglichen: Es muß kostengünstig und flexibel sein; besonders die Hauptverkehrsströme sollten weitgehend aufgefangen werden.
Die ödp will bewirken, daß Bus und Tram weitflächiger und mehr fahren, umliegende Gemeinden besser mit HD und untereinander verbunden sind, Zeitkarten wie das "Job-Ticket" größere Verbreitung finden (z. B. auch in der Universität, die mehr als 11.000 Mitarbeiter beschäftigt und somit Heidelbergs größter Arbeitgeber ist), beschlossene Pläne rasch durchgeführt werden. Freiburg dient hier als sehr gutes Beispiel.
Ziel zukunftsorientierter Politik im Verkehrsbereich muss es auch sein, dass endlich Kurzstreckentarife eingeführt werden. In Augsburg z.B. kostet eine Fahrt vom Hauptbahnhof zu den Stadtwerken über vier Stationen nur 0,95 ct. Dieses Modell wäre für Heidelberg ohne weiteres übertragbar. Weshalb soll eine Fahrt von Handschuhsheim zum Bismarckplatz genau so viel kosten, wie von Wieblingen nach Neckargemünd oder von Boxberg nach Handschuhsheim. Viele Städte, nicht nur Millionen-Städte beweisen, dass Kurzstreckentarife nicht nur funktionieren, sondern auch die Fahrgastzahlen erhöhen.
Die ödp befürwortet einen Ausbau des Straßenbahnnetzes. Die Straßenbahn nach Kirchheim muss unbedingt kommen. Allerdings halten wir eine andere Trassenführung für besser. Die ödp schlägt deshalb eine Straßenbahntrasse durch die Speyerer-Straße vor. Wir befürchten, dass ein stures Festhalten an der geplanten Trasse durch die Schwetzinger Strasse zu einer Flut von Prozessen führt und die Straßenbahn nach Kirch- heim noch Jahre auf sich warten lässt. Selbstverständlich muss die Straßenbahn auch bald möglichst über Bruchhausen nach Sandhausen weitergeführt werden.
Klare Priorität hat außerdem die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld. Diese Linie ist unverzichtbar.
Auch die neue S-Bahn braucht noch viele Verbesserungen. In unserem Sinne wäre eine Verdichtung auf einen Viertelstundentakt wünschenswert. Dies könnte man z.B. durch eine neue Linie Sinsheim – Worms erreichen. Sehr wichtig ist vor allem ein guter Anschluss an die S-Bahn. Wir fordern einen vertakteten Anschluss an die S-Bahn im Pfaffengrund nach Wieblingen und auch vom S-Bahnhof Schlierbach-Ziegelhausen auf die Ziegelhäuser Seite bzw. vom Bahnhof Rohrbach-Kirchheim nach Rohrbach und Leimen.